Akute Mittelohrentzündung
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- Zuletzt aktualisiert am Freitag, 18. November 2011 10:50
- Geschrieben von Dr. Steffen Rabe
Epidemiologie
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Die akute Mittelohrentzündung (AOM) ist im Kindesalter eine häufige Diagnose – im Alter von 3 Jahren sind 90% aller Kinder mindestens einmal daran erkrankt, 50% haben bereits 3 und mehr Episoden hinter sich.
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In den meisten so genannten Industrienationen sind Antibiotika die routinemäßig verordnete Standardbehandlung bei der akuten Mittelohrentzündung.
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Bei den hauptsächlichen bakteriellen Erregern der AOM (Pneumokokken, HiB, Moraxella catarrhalis) werden international zunehmend Resistenzen gegen Antibiotika nachgewiesen.
Risikofaktoren
- Risikofaktoren für das Auftreten einer akuten Mittelohrentzündung bzw. wiederkehrende Mittelohrentzündungen sind:
v. a. der Besuch von Kinderkrippen/Kindergärten: das Risiko für häufig wiederkehrende akute Mittelohrentzündungen ist bei diesen Kindern um 50% erhöht.
Tabakrauchexposition
Flaschenfütterung bei Säuglingen (Stillen hingegen schützt),
„ohranfällige“ Eltern oder Geschwister und
Schnullergebrauch.
Zur Behandlung der AOM mit Antibiotika
- Verschiedene Übersichtsarbeiten von Studien zur Antibiotikabehandlung der AOM kommen zu folgenden Ergebnissen:
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Innerhalb von 24 Stunden sind 60% aller Kinder mit AOM schmerzfrei - sowohl unter Antibiotika als auch unter Placebo (einem wirkstofffreien Scheinmedikament). Innerhalb von 3 Tagen kommt es bei 80% der Kinder auch ohne Antibiotikum zu einer deutlichen Besserung der Beschwerden.
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Andauernde Schmerzen nach 2 - 7 Tagen waren bei den antibiotisch behandelten Kindern zwar etwas seltener als bei den placebobehandelten, das Risiko von Erbrechen, Durchfall oder Hautausschlag jedoch war unter Antibiotika verdoppelt: für jedes Kind, das in der ersten Behandlungswoche eine Schmerzerleichterung durch antibiotische Behandlung erfährt, werden 3 Kinder an Durchfall, Erbrechen oder Hautausschlag leiden, ohne von dem Antibiotikum zu profitieren.
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Eine andauernde Hörminderung nach 1 Monat war in beiden Gruppen gleichhäufig bzw. gleich selten. Dies wird von einer anderen großen Studie bestätigt, die ebenfalls keinen Effekt von Antibiotika auf Hörprobleme bei und nach Otitis media nachweisen konnte.
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Eine andere Übersichtsarbeit über die Komplikationen der akuten Mittelohrentzündung kommt zu dem Ergebnis, „dass der Nutzen einer routinemäßigen Antibiotikatherapie der Mittelohrentzündung, sei es bezüglich der kurz- oder langfristigen Prognose, unbewiesen ist.“ Und weiter: „obwohl das Verhüten von Mastoiditis [Knocheneiterung] und Hirnhautentzündung eine Rationale für den Einsatz von Antibiotika ist, gibt es wenig Hinweise darauf, dass deren routinemäßiger Einsatz zu diesem Zwecke effektiv ist.“
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Ein Effekt von Antibiotika auf die Komplikations- bzw. Rückfallrate konnte nicht nachgewiesen werden, die einzige in den verschiedenen zugrunde liegenden Studien dokumentierte Mastoiditis trat in einer antibiotisch behandelten Gruppe auf.
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2011 erschienen zwei auch in der Laienpresse zitierte Studien, die einen vermeintlichen Nutzen der sofortigen Antibiotikatherapie bei Mittelohrentzündung belegen sollten:
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Bei einer dieser beiden wiesen Fachleute des unabhängigen arznei-telegramm jedoch nachträgliche, unzulässige Datenmanipulationen an den Studiendaten nach und halten die Studie daher für „wenig glaubhaft“ (ohne diese Manipulationen hätten die Daten das Gegenteil, also den fehlenden Nutzen der Antibiotika belegt).
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Bei der anderen wird – wie bereits vorher bekannt – der „relativ geringe Nutzen“ erkauft um die Antibiotoka-assoziierten Nebenwirkungen (s.o.).
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Bezüglich der Therapiedauer gehen die Meinungen stark auseinander - es gibt gute Hinweise darauf, dass eine antibiotische Therapie über 2, 3, 5 oder 10 Tage jeweils vergleichbar effektiv ist.
Alternative Behandlungsmöglichkeiten
Homöopathie
- Die Behandlung der Akuten Mittelohrentzündung ist eine klassische Domäne kinderheilkundlich-homöopathischer Therapie – hier profitieren die Kinder auch von dem im Akutfall sehr raschen Wirkeintritt des passenden homöopathischen Arzneimittels.
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Für die Arzneimittelwahl ist wie immer in der Homöopathie der einzelne Krankheitsfall mit seinen Besonderheiten entscheidend: Welches Ohr schmerzt? Tut Wärme gut oder verschlechtert sie? Hilft vielleicht ein kühler Wickel? Wann sind die Ohrenschmerzen aufgetreten bzw. am schlimmsten? Ist das Kind dabei eher weinerlich? Eher reizbar? Wütend? Blass? Rot? Mundgeruch? Speichelfluss?... Erst aus diesen Informationen ist es oft möglich, das passende homöopathische Einzelmittel zu finden.
Naturheilverfahren
- Hier kommt der Zwiebel mit ihrer ausgeprägten entzündungs- und keimhemmenden Wirkung eine überragende Bedeutung zu: als Zwiebelwickel angewendet, macht sie in vielen Fällen eine weitere Behandlung überflüssig.
- Hacken Sie dafür eine Küchenzwiebel in Würfel, schlagen sie diese in ein dünnes Stofftaschentuch ein und legen sie dieses auf das erkrankte Ohr, damit die ätherischen Wirkstoffe eindringen können. Die Wirksamkeit kann noch gesteigert werden, indem Sie dann noch eine Wärmflasche oder ein warmes Kirschkernkissen auflegen – einige Kinder werden diese Wärme allerdings als unangenehm empfinden (eine für die homöopathische Arzneimittelwahl wichtige Information!), dann reicht der Zwiebelwickel auch kalt.
Sonstiges
- Nasensprays mit physiologischer Kochsalzlösung senken den Druck im Innenohr nachgewiesenermaßen genauso effektiv wie die häufig verwendeten abschwellenden Nasentropfen – letztere sollten daher genauso wenig verwendet werden wie Ohrentropfen, die ebenfalls jeder gesicherten Wirkung entbehren.
Bemerkungen zum Verlauf
- Nach einer AOM ist es ein völlig normales Phänomen, dass die Kinder auf dem betroffenen Ohr vorübergehend schlechter hören – dies ist bedingt durch das im Rahmen der Entzündung entstehende Sekret im Mittelohr, dass in der Regel innerhalb von 10 – 14 Tagen vom Körper resorbiert wird, wodurch das Hörvermögen sich wieder normalisiert
- Es gibt keinerlei wissenschaftlich Belege, dass der Einsatz abschwellender oder gar kortisonhaltiger Nasensprays, chemischer Schleimlöser oder ähnlicher schulmedizinischer Medikamente hier von Nutzen ist.
- Sollte es zu einer verzögerten Resorption kommen, ist – wie auch bei immer wieder kehrenden AOM – die Klassische Homöopathie unserer Erfahrung nach die Methode der Wahl.


